Eine positive Sicht auf Perfektionismus

Perfektionistische Menschen sind ganz fabelhaft darin, sich in Kleinigkeiten zu verbeissen, sich auf Unzulänglichkeiten zu konzentrieren und sind versiert im Aufschieben, weil sie sich mit Versagensangst und Selbstzweifel sorgfältig die eigenen Hände binden. Bist du perfektionistisch veranlagt? Dann bist du hier genau richtig.

Mir fällt auch jedes schief hängende Bild auf und ich denke beim Artikel schreiben über jedes Wort tausend Mal nach. Ausserdem – und das bleibt zwischen uns ok – wenn ich shoppen gehe und auf einen Stapel Hosen gucke, dann kann ich auf einen Blick sofort sagen, ob diese der Größe nach geordnet sind oder ob ein oder zwei falsch liegen. Ich spüre auf eine sonderbare Weise, ob es durch und durch Ordnung gibt oder nicht. Das ist merkwürdig und nicht selten auch ein bisschen nervig.

Ich wette, dass du auch nicht so recht reinpasst und Dinge siehst, die andere einfach übersehen.

Ich denke wir können uns also darauf einigen, dass ich – sagen wir’s mal nett – etwas eigen bin und jetzt weißt du auch den Grund, warum du ausgerechnet mich gefunden hast. Ich wette, dass du auch nicht so recht reinpasst und Dinge siehst, die andere einfach übersehen.

Jetzt geht es darum, die positiven Aspekte des Perfektionismus zu nützen und die negativen, mit denen wir uns selber oft das Leben schwer machen, liebevoll abzufedern.

Die geheime Zutat

Als perfektionistische Menschen neigen wir dazu unerreichbare Ziele zu stecken, was natürlich zu Frust führt. Außerdem verbeißen wir uns konsequent in Kleinigkeiten und sehen überall nur mehr Fehler und Mankos. In diesem negativen Mindset sind wir kleinlich und unnachgiebig und verletzen uns selbst oder andere.

Was sollen wir jetzt tun? Nicht mehr auf Details achten? Oder lernen mit mittelmäßigen Resultaten zufrieden zu sein? Nein, wir brauchen unsere Fähigkeit tiefer zu schauen und nach besseren Lösungen zu suchen, nicht aufgeben.

Wir transformieren einfach die Frustration und erkennen dadurch die sogenannten Fehler als einzigartige, funkelnde Schönheiten. Wie? Ganz leicht. Es braucht nur eine geheime Zutat. Welche? Nein, liebe Big Bang Theory Fans, es ist nicht Schweineschmalz und nein, liebe Little Britain lovers, es ist auch nicht Butter. Es ist schlicht und einfach Liebe.

Wir brauchen unsere Fähigkeit tiefer zu schauen und nach besseren Lösungen zu suchen, nicht aufgeben.

Liebe hat transformierende Kraft. Sie beschützt uns vor uns selbst und unserer hausgemachten Neigung zu Frustration und Härte. In dem Moment, in dem du einen perfektionistischen Menschen mit einem liebevollen Blick betrachtest, verwandelt sich dieser in einen Detail-Liebhaber bzw. eine Detail-Liebhaberin. Ich lade dich jetzt ein, dich selbst mit diesen neuen, liebevollen Augen zu sehen.

Sieh dich selbst als Detail liebenden Menschen, der all die Dinge sieht und schätzt, die andere einfach übersehen. Freu dich, dass du immer einen Schritt weitergehst als unbedingt nötig und dass du dich laufend verbessern möchtest.

Sei stolz, dass Aufgeben gar nicht in deinem Vokabular vorkommt, weil du dich nicht mit halben Sachen zufrieden gibst. Schließ Frieden damit, dass du dich nie mit dem Status Quo abfindest, dich zurücklehnst und jammerst, sondern dass du immer etwas verändern und für uns alle verbessern möchtest.

Genieße die wilde Fahrt

Alles oder nichts. So denken wir normalerweise, nicht wahr? Wir sehen immer Zeugs, das noch besser ginge und wir kommen ständig zum Schluss, dass dies und das noch nicht fertig ist. Aber reicht denn jemals etwas unseren Ansprüchen, sodass wir damit abschließen können?

Ist das nicht genau der Grund, warum dein Buch immer noch unveröffentlicht ist und du dich noch immer nicht für einen besseren Job beworben hast? Wie können wir unsere Wahrnehmung verändern und uns in unserer Nichtperfektion in einem wertschätzenderen und auch hilfreicheren Licht sehen?

Es ist nicht immer alles oder nichts. Es ist eine Reise, eine stetige Weiterentwicklung.

Indem wir es uns zur Gewohnheit machen, dass wir uns zu allem, was wir bisher geleistet haben, von Herzen gratulieren. Übe, auf deine bisherigen Leistungen stolz zu sein.

In diesem positiven Mindset machst du dir dann eine Liste von allem, das Potenzial hat, noch besser zu werden (Siehst du was ist da mache? „Noch besser werden“ ist eine ganz andere Welt als „noch nicht gut genug“!) und freu dich dabei auf alles, das du im Zuge dessen noch lernen und schaffen wirst.

Es ist nicht immer alles oder nichts. Es ist eine Reise, eine stetige Weiterentwicklung. Siehst du deine Arbeit als aufregende Reise, dann erlaubst du dir endlich, diese wilde Fahrt, die das Leben nun mal ist, zu genießen.

Sei professionell

Wenn Perfektionismus übernimmt, dann sind wir überkritisch mit uns und anderen. In diesem Mindset kann uns niemand etwas recht machen. Egal wohin wir schauen, wir sehen nur Negatives und wir kommen zum Schluss: Wenn es richtig gemacht werden soll, dann muss ich es selbst machen.

Echte Profis sind perfektionistische Menschen, die gelernt haben wertschätzend zu sein und daher finden sie bei jedem Menschen etwas Positives.

Statt ständig nach Fehlern zu suchen, trainiere dich darauf, Potenzial und positive Eigenschaften in anderen zu sehen. Echte Profis sind meist perfektionistische Menschen, die gelernt haben wertschätzend zu sein und daher finden sie bei jedem Menschen etwas Positives.

Behandelst du andere und dich selbst voller Wertschätzung, dann verwandelt sich eine überkritische Einstellung, die gerne mal kreative Energie erstickt, in Motivation und Inspiration. Davon werden du selbst und dein Umfeld sehr profitieren.

Das verlassene Stück Weg

Als PerfektionistIn gehst du immer einen Schritt weiter geht als nötig. Wie du weißt, ist dieses extra Stück Weg ganz schön verlassen, denn nicht viele sind bereit sich sehr so für eine Sache einzusetzen.

Doch das ist kein Grund, sich allein zu fühlen. Es ist eine Einladung sich frei zu entfalten. Das ist jener Wegesabschnitt, wo du über deine eigenen, hohen Erwartungen hinauswachsen und echte Veränderung in die Welt bringen kannst.

Nütze jede Gelegenheit, um zu Lernen und zu Wachsen – nicht nur als Profi in deinem Feld, sondern auch als Mensch.

Nur noch eins: Fang an! Du bist bereit. Bereit, das zu tun, das du schon seit einer Ewigkeit aufschiebst. Mach den ersten, wunderbar angsteinflößenden Schritt und mach einfach das, was du sowieso am Besten kannst: Halte an deiner Liebe zum Detail fest und sieh das, was andere übersehen. Bleib unzufrieden mit dem Status Quo, damit du weiterhin danach strebst, unser Zusammenleben besser zu machen.

Während du fröhlich dieses verlassene Stück Weg entlang wanderst, lass dir Raum zum Atmen und dafür, dass du dich Schritt für Schritt verbessern darfst. Statt alles oder nichts, denkst du daran, dass es eine Reise ist. Schätze die eigenen und die Leistungen von anderen und nütze jede Gelegenheit, um zu Lernen und zu Wachsen – nicht nur als Profi in deinem Feld, sondern auch als Mensch.


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